Ortsplanungsrevision Kehrsatz 2020

Mitwirken bei der Ortsplanung der Gemeinde Kehrsatz

Was ist die Ortsplanung?

Die Ortsplanung gibt vor, wie sich unsere Gemeinde in den nächsten Jahren entwickelt. Sie legt verbindlich fest, wo und wieviel gebaut werden kann und wo nicht, wie wir mit der Natur und der Umwelt umgehen und wo Arbeitsplätze entstehen können. Am Ende des Prozesses verfügt die Gemeinde Kehrsatz über ein neues Baureglement und neue Zonenpläne für Siedlung & Landschaft, Naturgefahren und den Gewässerraum.

Warum braucht es eine Revision der Ortsplanung?

Die letzte Ortsplanungsrevision der Gemeinde Kehrsatz erfolgte 2011. Seither haben sich die Bedürfnisse und die äusseren Vorgaben verändert. Aufgrund der Abstimmung zur Revision des eidgenössischen Raumplanungsgesetzes 2013 wurde der Richtplan 2030 des Kantons Bern überarbeitet und 2016 genehmigt.

Ausgangspunkt für die Überlegungen bildet das Räumliche Entwicklungskonzept (REK), welches im Rahmen der letzten Ortsplanungsrevision entstand.

Welche Ziele verfolgt die Ortsplanungsrevision?​

Die Gemeinde Kehrsatz verfügt über ein strategisch-konzeptionelles Instrument, um die Entwicklung des Ortes zu steuern: das Räumliche Entwicklungskonzept (REK). Ziel der Gemeinde ist eine Siedlungsentwicklung nach innen und ein Wachstum, ohne die ländliche Struktur und die Freiflächen aufzugeben. Das REK bildet die Grundlage für die Ortsplanungsrevision. Folgende Hauptaussagen ergeben sich aus dem REK:

Kehrsatz bleibt räumlich eigenständig und wächst nicht mit seinen Nachbargemeinden zusammen.

In Kehrsatz findet eine dynamische, qualitätsvolle Siedlungsentwicklung innerhalb des bestehenden Siedlungskörpers statt.

Der öffentliche Raum leistet durch hochwertige Gestaltung einen substanziellen Beitrag zum wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Wohl der Gemeinde

Für die Beurteilung von zentralen Bauvorhaben wird zur Unterstützung der zuständigen Behörde ein Gestaltungsbeirat mit unabhängigen Experten gebildet. Die Entscheidungsgewalt liegt bei der Gemeinde.

Kehrsatz gestaltet seine Kulturlandschaft aktiv und wertet sie gezielt auf, um die Wohnqualität, die Attraktivität des Ortes und die natürliche Vielfalt von Pflanzen und Tieren zu fördern.

Die historisch bedingte, enge Verzahnung von Landschaft und Siedlung wird erhalten und gestärkt.

Der Bereich zwischen den beiden S-Bahn-Stationen wird in seiner baulichen Ausprägung und in seiner Nutzungsvielfalt weiterentwickelt.

Kehrsatz verkürzt die Reisezeiten innerhalb der Gemiende und zur Stadt Bern und erhöht die Verkehrssicherheit aller Verkehrsteilnehmenden.

Die Verlegung der Zimmerwaldstrasse wird als Chance für die weitere räumliche Entwicklung genutzt.

Wo stehen wir heute im Prozess der Ortsplanungsrevision?

Im Jahre 2018 wurde das REK überarbeitet und damit die ordentliche Ortsplanungsrevision gestartet. Eine konsolidierte Fassung wurde im Frühjahr 2019 der Bevölkerung vorgestellt und ein Workshop bot die Möglichkeit, sich dazu zu äussern. In einem nächsten Schritt wurden die Planungsinstrumente wie Zonenpläne und Baureglement angepasst. Vom 26. August bis am 15. November 2019 findet die öffentliche Mitwirkung statt. Die Rückmeldungen aus der Bevölkerung werden in einem Mitwirkungsbericht zusammengefasst und fliessen so in die Ortsplanungsrevision ein. Nach der Vorprüfung und der öffentlichen Auflage soll die Gemeindebevölkerung im Herbst 2020 an der Urne über die Revision der Ortsplanung abstimmen.

Den Erläuterungsbericht zur Ortsplanungsrevision Kehrsatz herunterladen
Die aktuellen Pläne des REK vom 15. August 2019 herunterladen
Die Massnahmenblätter des REK vom 15. August 2019 herunterladen
Das überarbeitete Gemeindebaureglement vom 15. August 2019 herunterladen
Zonenplan Siedlung und Landschaft vom 15. August 2019 herunterladen
Zonenplan Naturgefahren und Gewässerraum vom 15. August 2019 herunterladen
Inventarplan Landschaft vom 15. August 2019 herunterladen
Der Erläuterungsbericht zum Richtplan Energie vom 24. Mai 2019 herunterladen
Die Richtplankarte des RPE vom 24. Mai 2019 herunterladen
Die Massnahmenbläter des RPE vom 24. Mai 2019 herunterladen

Wichtige Änderungen in der Ortsplanungsrevision

Kehrsatz Mitte ist das zentralste und zukunftsträchtigste Projekt der Gemeinde. Es gibt der Raum- und Verkehrsplanung den Takt vor. In der Ortsplanung werden die Resultate der Testplanung verankert und eine Entwicklung im Zentrum ermöglicht, unter anderem wird dafür das Nutzungsmass in der ZPP 6 «Bahnhofmatte» auf 1,5 GFZo erhöht. Die Geschossflächenziffer (GFZo) ist eine Dichteziffer und löst die Ausnützungsziffer (AZ) ab. 

Um das Zentrum auf beiden Seiten zu stärken, wird auch im Bereich Bernstrasse-Bahn das Nutzungsmass erhöht. Qualitätsvolle Entwicklungen und Erneuerungen sollen in der erweiterten ZPP 4 «Bernstrasse-Bahn» bis zu einer GFZo von 1,3 möglich sein.

Diese Gebiete werden neu dem Baugebiet zugeordnet (Einzonungen). Beim Eingang Nord wird eine Korrektur aufgrund des neuen Kreisels vorgenommen. Durch die Einzonung der Parzelle «Riedli» soll die Gemeinde im Zentrum weiterwachsen und zusammenwachsen. Die Gefahrensituation sowie die Erreichbarkeit innerhalb der Gemeinde sollen durch die Überbauung verbessert werden.

Das Arbeitsgebiet Süd, angrenzend an die Bahnhofmatte, wird in eine Mischzone umgezont. Somit entsteht eine Situation ähnlich derjenigen im Norden der Gemeinde, wo vom Wohngebiet mittels einer Mischzone ein harmonischer Übergang in die Arbeitszone gestaltet werden kann.

In der Ortsplanung werden Anreize für die bauliche Erweiterung im überbauten Gebiet durch die neue Wohnzone W2+ gesetzt. In Zukunft ist südlich der Talstrasse, nördlich der Zimmerwaldstrasse und teilweise an der Mättelistrasse bei zweigeschossigen Bauten eine Erweiterung auf drei Geschosse möglich, wenn dabei eine zusätzliche Wohneinheit erstellt wird.

Im Gebiet Breitägerten am Gurtenhang werden baurechtlich nur kleine Korrekturen vorgenommen. Das Nutzungsmass ist hier zumeist nicht ausgeschöpft. Die Gemeinde weist Grundeigentümer auf Beispiele guter Überbauungen hin und macht auf die Chancen einer hochwertigen Bebauung am Hang aufmerksam.

Das Gebiet Luchli gehört der Gemeinde und wird im Räumlichen Entwicklungskonzept als „strategische Reserve“ bezeichnet. Damit der Gemeinde alle Optionen offen stehen, wird das Luchli von der Ortsplanung ausgenommen (Sistierung). Die alte Ordnung (ZöN) bleibt bestehen, kann aber, falls dringend nötig, jederzeit durch die Bevölkerung geändert werden.

Aufgrund eines hängigen Rechtsverfahrens wird die ZPP 3 von der Ortsplanung ausgenommen (Sistierung). Erst wenn der Rechtfall geklärt ist, wird die ZPP 3 überarbeitet.

Damit die alte Überbauungsordnung nicht erneut für acht Jahre bestätigt wird (Planbeständigkeit), wird das Gebiet von der Ortsplanung ausgenommen (Sistierung). Die Gemeinde leitet gemäss Raumentwicklungskonzept Gespräche mit Grundeigentümern, Kanton, Bund und Nachbargemeinden ein. Ziel ist die Verbesserung der Wohn- und Quartiersituation. 

Die Landschaftswerte der Gemeinde Kehrsatz gehören zum Wichtigsten, was die Gemeinde zu bieten hat. Die Arbeitsgruppe Umwelt und Landschaft hat eine umfassende Neu-Inventarisierung vorgenommen. Zudem wurde der Landschaftsrichtplan überarbeitet. Beides fliesst direkt in die Ortsplanung ein. Die Naturwerte werden gewahrt und gefördert – auch im Sinne einer überregionalen Entwicklung (Grünes Band).

Bevölkerungsentwicklung

Im Jahr 2017 zählte die Gemeinde Kehrsatz 4’263 Einwohnende. Der Gemeinderat strebt eine moderate, dynamische Bevölkerungs- und Siedlungsentwicklung nach innen an. Mit der Ortsplanungsrevision wird die Möglichkeit geschaffen, dass im Jahr 2040 rund 5’500 Personen und Kehrsatz wohnen und leben können. Die Weiterentwicklung erfolgt zum grössten Teil innerhalb der heute bestehenden Siedlungsgrenzen und trägt substanziell dazu bei, dass Kehrsatz auch in Zukunft eigenständig denken und handeln kann.

Siedlungsqualität

Die verstärkte Siedlungsentwicklung nach innen birgt gewisse Gefahren für die Lebens- und Aufenthaltsqualität innerhalb des Siedlungsgebiets. Durch Anreize in der Baugesetzgebung sind neue Nutzungs- und Bauformen denkbar und in den kommenden Jahren ist mit einer zunehmenden Bautätigkeit zu rechnen. Um die Qualität der Bauten im Sinne eines hochwertigen Ortsbaus zu sichern, wird der Baubewilligungsbehörde ein unabhängiger Ausschuss mit nachgewiesenen Kompetenzen im Bereich der Gestaltung (Ortsbau, Architektur, Landschaft) zur Seite gestellt. Dieser Gestaltungsbeirat besteht aus ortskundigen, aber nicht ortsansässigen Gestaltungsexperten, welche die Gemeinde in der Baubewilligungsphase unterstützen. Die Entscheidungsbefugnis verbleibt bei der Gemeinde.

Schlüsselprojekte

Die Ergebnisse der Testplanung Kehrsatz Mitte machen Aussagen zu Nutzungen, Erschliessung und Gestaltung der Bereiche Bahnhofmatte und Chilchacker. Das Ziel ist, eine qualitativ hochwertige Siedlungserweiterung auf der Bahnhofmatte zu realisieren und so das Zentrum von Kehrsatz zu stärken. Zudem soll mit dem Anschluss der Zimmerwaldstrasse an die Umfahrungsstrasse der Durchgangsverkehr auf der Bern-, Belp- und Zimmerwaldstrasse reduziert werden.

Zurzeit sind die zentralen Strassenachsen im Ortszentrum (Bernstrasse, Zimmerwaldstrasse und Belpstrasse) Kantonsstrassen. Geplant ist eine Übernahme der Kantonsstrassen durch die Gemeinde, was eine Aufwertung des öffentlichen Strassenraumes ermöglicht.
Der Bereich zwischen Bernstrasse und Bahnstrecke weist heute grosse Unterschiede bezüglich Dichte, Nutzungen oder Bebauungstypologie auf. Durch die Erweiterung der ZPP 4 und ein höheres Nutzungsmass soll dieser Bereich zu einem lebendigen und durchmischten Zentrumsquartier entwickelt werden.

Das Quartier Hängelen bietet günstigen Wohnraum. Durch die Ausschöpfung des Entwicklungspotenzials soll die Wohn- und Aussenraumqualität verbessert werden. Eine gute soziale Durchmischung unter Beachtung einer kulturverträglichen Bevölkerungsentwicklung und -zusammensetzung wird angestrebt.

Das Breitägerten-Quartier am Gurten-Osthang ist aufgrund der Topografie nur schlecht ans Zentrum und an die öffentliche Infrastruktur angeschlossen. Insbesondere ein direkter, attraktiver Fussweg ist nicht vorhanden. Das Ziel ist, eine verbesserte Verbindung ins Zentrum für die Quartierbewohner am Hang zu schaffen.

Das Hängelen-Quartier ist aufgrund der Topographie für den Fussverkehr nicht gut ans Zentrum und an die öffentliche Infrastruktur angeschlossen. Auch hier soll eine direktere und attraktivere Fusswegverbindung ins Zentrum geschaffen werden.
Mit dem Ersatz der Heizung in der Schulanlage Selhofen wird neu eine Heizzentrale für einen Wärmeverbund erstellt. Die Wärmeerzeugung erfolgt mit Holzschnitzel und einer Spitzendeckung mit Heizöl. Angestrebt wird ein erneuerbarer Anteil von 95%. Der Anteil an erneuerbarer Wärme in Kehrsatz lässt sich damit markant um fast 20% steigern. In der Ortsplanung wird der Perimeter für eine Anschlusspflicht definiert: Innerhalb des im Zonenplan bezeichneten Fernwärmeperimeters sind unter Vorbehalt der übergeordneten Gesetzgebung und unter Vorbehalt der Kapazität des Betreibers alle Neubauten an das Fernwärmenetz anzuschliessen.

Mitwirkung abgeschlossen?

Die Ortsplanung betrifft alle Einwohnerinnen und Einwohner. Deshalb ist es der Gemeinde ein grosses Anliegen, dass auch alle die Möglichkeit haben, sich dazu zu äussern. Die Mitwirkung dauerte vom 26. August bis zum 15. November 2019. Während dieser Zeit lagen der Erläuterungsbericht zur Ortsplanungsrevision sowie sämtliche Unterlagen der Ortsplanungsrevision auf der Gemeinde auf. Nun werden alle Eingaben ausgewertet.

Sprechstunden

Am 11. und 17. September 2019 finden im Gemeinderatszimmer von 18 – 22 Uhr Sprechstunden statt. Hier können individuelle Fragen zur Ortsplanungsrevision gestellt werden.

Informationsveranstaltung

Am Montag, 2. September 2019, findet um 20 Uhr in der Aula der Schulanlage Selhofen eine öffentliche Informationsveranstaltung statt, bei welcher die Gemeinde einzelne Themen der Ortsplanungsrevision erläutert.